Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich in Deutschland weiter aus.
Nachdem die invasive Art inzwischen auch in Sachsen-Anhalt nachgewiesen wurde, gibt es nun vermutlich eine Sichtung im Raum Halle-Dölau.
Das ist zunächst kein Grund zur Panik, aber trotzdem sollte man die Tiere kennen und verdächtige Sichtungen möglichst melden.
Gerade für Imkerinnen und Imker ist es wichtig, die Entwicklung frühzeitig im Blick zu behalten.
So erkennt man die Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist etwas kleiner als unsere heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro).
Besonders auffällig sind ihre insgesamt dunkle Färbung und die gelben Fußenden.
Typische Merkmale von Vespa velutina:
• Brustbereich: Überwiegend schwarz bis sehr dunkelbraun
• Hinterleib: Dunkler Hinterleib mit einer auffälligen gelb-orangefarbenen Binde im hinteren Drittel
• Beine: Schwarze Beine mit deutlich gelben Fußenden („gelbe Strümpfe“)
• Kopf: schwarzer Kopf mit orange-gelber Stirnzeichnung
• Körperlänge: Arbeiterinnen etwa 1,7 bis 2,5 cm
Die Europäische Hornisse ist dagegen deutlich rötlich-braun gefärbt. Brust und Beine zeigen wesentlich mehr Rotbraun, und der Hinterleib besitzt deutlich breitere gelbe und schwarze Zeichnungen.
Wichtig: Gerade weil die heimische Vespa crabro nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt ist, sollte man bei einer einzelnen Hornisse niemals vorschnell von einer Asiatischen Hornisse ausgehen oder das Tier auf eigene Faust töten. Ein gutes Foto ist für die sichere Bestimmung besonders wertvoll.
Keine Panik vor einzelnen Tieren – aber Vorsicht am Nest
Die Asiatische Hornisse ist auf Nahrungssuche gegenüber dem Menschen nicht grundsätzlich aggressiver als unsere heimische Hornisse. Einzelne Tiere sind normalerweise nicht daran interessiert, Menschen anzugreifen.
Ganz anders sieht es jedoch in unmittelbarer Nähe eines Nestes aus: Wie andere staatenbildende Wespen und Hornissen verteidigt auch Vespa velutina ihr Nest, allerdings zeigt sie dabei ein deutlich aggressiveres Verteidigungsverhalten. Bei einer Störung können hunderte Tiere gleichzeitig angreifen. Da kleine Embryonal- und Primärnester im Frühjahr und Frühsommer oft in Menschennähe (z. B. im Schuppen, Carport oder Hecken) gebaut werden, kommt es hier besonders leicht zu gefährlichen Begegnungen.
Deshalb gilt:
• Eine einzelne Hornisse beobachten und aus sicherer Entfernung fotografieren: Ja.
• Einem möglichen Nest näherkommen oder daran herumhantieren: Nein.
Hinweis: Besonders für Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Stich gefährlich werden. Bei Annäherung an ein Nest reagieren die Tiere mit extrem starkem Abwehrverhalten.
Wie sieht es für Imker aus?
Die eigentliche Bedeutung der Asiatischen Hornisse liegt weniger in einer direkten Gefahr für Menschen auf der Straße, sondern vor allem in ihrer Jagd auf andere Insekten.
Honigbienen können dabei einen erheblichen Anteil ihrer Beute ausmachen. Die Hornissen lauern häufig im Schwebflug vor dem Flugloch und fangen zurückkehrende Sammelbienen ab. Bei zunehmendem Jagddruck verändern Bienenvölker ihr Verhalten drastisch: Es entsteht die sogenannte Flugparalyse. Die Bienen trauen sich kaum noch aus der Beute, fliegen weniger aus und sammeln in der Folge deutlich weniger Pollen und Nektar. Auch das Umweltbundesamt nennt Honigbienen als einen zentralen Teil des Beutespektrums, an Bienenständen können sie bis zu 80 % der Gesamtnahrung der Vespa velutina
ausmachen und beschreibt den massiven Rückgang der Sammelflüge bei starkem Velutinabeflug.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Bienenvolk, vor dessen Stand eine einzelne Asiatische Hornisse auftaucht, sofort kollabiert. Entscheidend sind die Anzahl der Hornissen und der dauerhafte Jagddruck.
Was kann der Imker tun?
Wenn regelmäßig Asiatische Hornissen am Bienenstand beobachtet werden, kann man den Bienen den Zugang zum Flugloch erleichtern und den Hornissen den Angriff erschweren:
• „Maulkörbe“ (Schutzgitter): Spezielle Vorsatzgitter oder Maschendrahtkäfige vor dem Flugloch verhindern, dass die Hornisse direkt an der Landekante lauert oder in die Beute eindringt.
• Hohes Gras vor den Fluglöchern: Eine etwas höhere, natürliche Vegetation direkt vor den Beuten erschwert den Hornissen den freien Anflug und bietet den Bienen beim Heimkehren natürliche Deckung. Dies dient als ergänzende Maßnahme zum Fluglochschutz. Für Imker lohnt es sich deshalb, die Fluglöcher gerade im Spätsommer und Herbst sehr aufmerksam zu beobachten.
Die Entwicklung über das Jahr
Der Lebenszyklus der Asiatischen Hornisse erklärt, warum die Tiere zu unterschiedlichen Jahreszeiten ganz unterschiedlich auffallen:
• Frühjahr – die Königin beginnt allein: Die überwinterte Jungkönigin wird bei steigenden Temperaturen aktiv. Sie sucht einen geschützten Platz und baut allein ein kleines Gründungs- oder Embryonalnest (oft nur tischtennisball- bis tassengroß). Diese ersten Nester erinnern in ihrer Form an Feldwespennester: Sie sind rundlich, klein und nach unten offen. Häufige Orte sind Schuppen, Carports, Dachvorsprünge, Hecken oder Nistkästen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Königin noch völlig allein.
• Frühsommer – das Volk wächst: Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen sie den weiteren Nestbau, die Versorgung der Brut und die Nahrungssuche. Das Volk wächst rasch: Durch den fortlaufenden Um- und Ausbau entwickelt sich aus dem ursprünglichen Embryonalnest das eigentliche Primärnest (etwa fußballgroß). In dieser Phase erreicht das Volk meist eine Größe von etwa 100 bis 500 Arbeiterinnen.
• Sommer – das Sekundärnest entsteht: Im Laufe des Sommers ziehen viele Völker um und bauen ein Sekundärnest. Diese riesigen, ovalen bis rundlichen Nester hängen meist hoch oben in Baumkronen, können aber auch an hohen Gebäuden entstehen. Sie erreichen oft einen Durchmesser von weit über einem halben Meter (bis zu 80 cm oder mehr). Charakteristisch ist das seitlich im oberen Bereich gelegene Flugloch.
• Spätsommer und Herbst – die kritischste Phase: Das Volk erreicht seine maximale Stärke von mehreren tausend Tieren sowie hunderten neuen Jungköniginnen. Der Eiweißbedarf des Nestes ist riesig, weshalb der Jagddruck auf Bienenstände jetzt am höchsten ist. Nach der Paarung verlassen die begatteten Jungköniginnen das Nest, um sich geschützte Überwinterungsplätze zu suchen – das alte Volk samt der ursprünglichen Gründerkönigin stirbt im späten Herbst/Winter komplett ab.
Locktöpfe und Dochttöpfe und wie man damit ein Nest lokalisiert
Um das Vorkommen von Asiatischen Hornissen frühzeitig zu erkennen, setzen Experten und Imker auf sogenannte Dochttöpfe. Wichtig: Dabei handelt es sich nicht um Ertränkungsfallen! Ein Docht saugt die Flüssigkeit nach oben, sodass die Hornisse bequem trinken kann, ohne zu Schaden zu kommen.
Bewährte Rezepte für den Locktopf:
Um den Anflug von Honigbienen zu vermeiden, sind alkoholische oder vergorene Zutaten
entscheidend – Honigbienen meiden Alkohol und Essignoten weitgehend.
• Rezept 1 (Klassisch – auch von der Landesanstalt für Bienenkunde empfohlen):
• 1/3 Bier
• 1/3 lieblicher Weißwein
• 1/3 Himbeersirup oder vergleichbarer Fruchtsirup
• Rezept 2 (Vergorener Lockstoff):
• 1 Liter Wasser
• 350 g Zucker
• 8 g frische Hefe
• Zubereitung: Zutaten mischen und 2–3 Tage an einem warmen Ort gären lassen.
Der Aufbau eines einfachen Dochttopfs
Für den Bau eines Dochttopfs wird nicht viel benötigt: Ein kleiner Kunststoffbecher (z. B. ein Proben- oder Urinbecher, Twist Off Glas) mit Deckel und ein Streifen aus einem Saugvlies, Baumwollseil, Baumwolltuch oder Spülschwamm genügen. In den Deckel wird ein Schlitz/Loch geschnitten, durch den der Tuchstreifen/Seil als Docht geführt wird. Der Docht reicht im Inneren bis auf den Boden des Bechers und ragt oben leicht heraus. So saugt sich der Streifen konstant mit dem Lockmittel voll, und die Hornissen können die Flüssigkeit sicher aufnehmen.

Abb. 1: Die Einzelteile eines selbstgebauten Dochttopfs – ein Kunststoffbecher, ein geschlitzter Deckel und ein Vliesstreifen als Docht

Abb. 2: Der einsatzbereite Dochttopf: Die Flüssigkeit transportiert sich über den Docht nach
oben, worüber die Hornissen die Flüssigkeit aufnehmen können
Das Nest Schritt für Schritt lokalisieren (Dochttopfmethode & Triangulation)
Um ein Nest in der Umgebung aufzuspüren, bietet die Dochttopfmethode eine hochpräzise Möglichkeit. Ziel ist es, die Hornissen an einer künstlichen Nahrungsquelle im friedlichen Zustand abzufangen, zu markieren und über Flugrichtung sowie Flugzeit die Nestentfernung exakt zu berechnen.
Benötigtes Material:
• Dochttopf
• Königinnenzeichengerät & Königinnenmarker: Zum Markieren der Tiere auf dem Rücken.
• Smartphone: Für die Stoppuhr zur Zeitmessung und Karten-Apps (z. B. Google Maps) zur Standortbestimmung und Triangulation.
• Optional: Ein Fernglas zur besseren Nachverfolgung der Flugbahn.
So funktioniert die Berechnung (Rechenbeispiel)
Die gemessene Gesamtzeit am Dochttopf setzt sich aus drei Phasen zusammen: dem Hinflug zum Nest, der Futterübergabe im Nest (Pufferzeit im Stock) und dem Rückflug zur Futterquelle. Für eine zuverlässige Berechnung sollte die Gesamtabwesenheit idealerweise maximal 5 Minuten betragen (bei längeren Zeiten liegt das Nest meist zu weit entfernt).
• Messung: Eine markierte Hornisse fliegt am Dochttopf ab. Die Stoppuhr wird gestartet und bei ihrer Rückkehr gestoppt.
• Gemessene Gesamtzeit: zb. 2 Minuten 25 Sekunden = 145 Sekunden
• Schritt 1 – Futterübergabe abziehen: Im Nest benötigt die Hornisse eine gewisse Zeit, um den aufgenommenen Treibstoff/Saft an die Larven oder Mitbewohner zu übergeben (Erfahrungswert ca. 40-50 Sekunden).
• Gesamtreine Flugzeit: 145 Sekunden – 45 Sekunden = 100 Sekunden
• Schritt 2 – Einfache Flugzeit ermitteln: Da die 100 Sekunden sowohl den Hin- als auch den Rückflug umfassen, wird der Wert halbiert:
• Einfache Flugzeit: 100 Sekunden / 2 = 50 Sekunden
• Schritt 3 – Entfernung berechnen: Unter Ansetzung einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit der Hornisse von ca. 6 Meter pro Sekunde (5-7,5 m/s entspricht rund 18-27 km/h) ergibt sich die Streckenlänge:
• Entfernung: 50 Sekunden x 6 Meter pro Sekunde = 300 Meter
Das Nest befindet sich in diesem Fall in einer Entfernung von etwa 300 Metern entlang der beobachteten Peillinie.
Triangulation (Kreuzpeilung)
Kombiniert man diese Streckenberechnung mit einer zweiten Messung von einem leicht versetzten Standort aus (Kreuzpeilung), überschneiden sich die beiden ermittelten Radien und Flugstraßen auf der Karte exakt am Standort des Nestes.
Wichtiger Sicherheitshinweis zur Dochttopfmethode und Nestlokalisierung:
Auch wenn Hornissen auf Nahrungssuche am Dochttopf friedlicher wirken als direkt am Nest, ist immer erhöhte Vorsicht geboten!
• Schutzkleidung tragen: Beim Markieren am Dochttopf sowie bei der anschließenden Lokalisierung und Nestsuche im Gelände sollte grundsätzlich geeignete Schutzkleidung getragen werden.
• Sicherheitsabstand am Nest wahren: Sobald ihr der gemessenen Flugstraße folgt und euch dem vermuteten Nestbereich nähert, haltet unbedingt einen großen Sicherheitsabstand (mindestens 10 bis 15 Meter).
• Keine Erschütterungen: Niemals an Bäumen, Sträuchern, Schuppen oder Hecken rütteln, um ein Nest freizulegen oder Sicht zu bekommen.
• Sofortiger Rückzug: Fliegen einzelne Hornissen gezielt auf euch zu oder umkreisen euch nervös, zieht euch umgehend und ohne hektische Bewegungen zurück.
• Bedenkt immer: Bei einer Fluggeschwindigkeit der Hornissen von rund 25 km/h könnt ihr euch vorstellen, dass man im Falle eines Angriffs keinesfalls einfach davonlaufen kann!
Bitte keine Fallen aufstellen!
Hier muss eine ganz deutliche Unterscheidung gemacht werden: Ein Dochttopf zur Beobachtung ist keine Falle.
Von frei aufgestellten Tötungsfallen (z. B. aufgeschnittenen Plastikflaschen mit Saft oder Bier) ist zwingend abzusehen!
• Keine Selektivität: Tötungsfallen unterscheiden nicht zwischen der Asiatischen Hornisse, der heimischen Europäischen Hornisse, Wespen, Hummeln oder Bienen. Sie fangen niemals selektiv!
• Verstoß gegen den Naturschutz: Die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) sowie viele Wildbienen stehen unter strengem Naturschutz. Die Landesanstalt für Bienenkunde und das Umweltbundesamt weisen nachdrücklich darauf hin, dass solche Fallen rechtlich nicht zulässig sind. Das ungesicherte Aufstellen kann mit hohen Geldstrafen geahndet werden.
• Insektenschutz: Es geht niemals darum, möglichst viele Insekten wahllos zu töten, sondern gezielt Nester aufzuspüren und fachgerecht zu entfernen.
Was tun, wenn eine Asiatische Hornisse entdeckt wird?
Wer eine verdächtige Hornisse sieht: Ruhe bewahren und versuchen, ein deutliches Foto oder Video zu machen.
Am besten dokumentiert man:
• Das Tier möglichst scharf (idealerweise aus mehreren Blickwinkeln),
• Den genauen Fundort (GPS-Daten oder genaue Adresse),
• Bei einem Nest: Das Nest ausschließlich aus sicherer Entfernung fotografieren.
In Sachsen-Anhalt sollten Sichtungen direkt über das offizielle Meldeportal des Landesamtes für Umweltschutz (LAU) gemeldet werden.
Warnung: Niemals versuchen, ein verdächtiges Nest selbst zu entfernen oder anzutasten! Das gilt für kleine Embryonalnester ebenso wie für riesige Sekundärnester. Sobald ein Nest besetzt ist, löst jede Störung eine massive Angriffsreaktion aus.
Ganz wichtig: Normale Imkerkleidung reicht keinesfalls aus!
Dieser Punkt wird in der Praxis fatal unterschätzt: Ein normaler Imkeranzug bietet KEINEN ausreichenden Schutz bei Nestern der Asiatischen Hornisse!
• Längerer Stachel: Der Stachel von Vespa velutina ist deutlich länger als der einer Biene und durchdringt handelsübliche Imkerbekleidung mühelos.
• Giftspritzen ins Gesicht: Vespa velutina hat eine besondere Verteidigungstaktik: Sie kann ihr Insektengift gezielt durch das Schleiergitter spritzen! Gelangt das Gift in die Augen, drohen Verätzungen und Sehschäden. Deshalb ist ein geschlossenes, spezielles Visier bzw. kompletter Augen- und Gesichtsschutz zwingend erforderlich.
• Weitere Risiken: Hinzu kommen die schiere Masse angreifender Tiere und die oft enorme Höhe der Sekundärnester, die Spezialtechnik wie Hubarbeitsbühnen oder Teleskoplanzen erfordert.
Wer ein Nest findet: Abstand halten und die zuständigen Behörden bzw. geschultes Fachpersonal informieren!
Die Devise lautet: Keine Panik – aber Augen auf!
Wenn ihr eine auffällig dunkle Hornisse mit gelben Fußenden seht: Bitte nicht danach schlagen und das Tier nicht auf eigene Faust bekämpfen. Fotografiert sie aus sicherer Entfernung, dokumentiert den Fundort und meldet die Sichtung über das Portal des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt oder an uns. Je früher ein Nest entdeckt wird, desto schneller kann es fachgerecht entfernt und unsere heimische Insektenwelt geschützt werden.
Wir halten euch hier auf dem Laufenden, sobald es neue Erkenntnisse oder weitere Sichtungen in unserer Region gibt!
Euer Wespen und Hornissenberater Vogel Thomas
Geschrieben von Vogel Thomas,
Beitrag enthält KI generierte Inhalte
Veröffentlicht am 08. Oktober 2026
Lesezeit: ca. 10 Min.
